NEUNKIRCHEN. Die Begegnungen mit den Menschen im Evangelischen Stadtkrankenhaus in Saarbrücken, im benachbarten Paul Marien Hospiz, im Fliedner Hospiz und zuletzt auch im Diakonie Klinikum Neunkirchen hätten sie geprägt, berichtete Diakonin Sabine Lohrum, die jetzt von den Einrichtungen der Stiftung kreuznacher diakonie in Neunkirchen und Saarbrücken in den Ruhestand verabschiedet wurde. Neun Jahre lang hat sie hier als Seelsorgerin gearbeitet, zuvor war die gelernte Diät-Assistentin 36 Jahre lang in den Kliniken tätig – überwiegend als Ernährungs- und Diabetes-Beraterin. Jetzt nahmen sich viele Wegbegleiterinnen und -begleiter Zeit, um sich persönlich von ihr zu verabschieden.
Ihre Arbeitsweise habe sich im Laufe der Zeit sehr verändert, meinte die Diakonin im Rückblick. „Zuerst noch ergebnis- und lösungsorientiert ist mir schnell klar geworden, dass es in der Seelsorge viel wichtiger ist, Zeit zu haben und zuzuhören.“ Sich eben auch die Zeit zu nehmen, für jemanden einzukaufen, Proben der selbstgekochten Marmelade zum Verkosten mitzubringen, ein Lieblingsessen zu kochen – all das habe sie sehr gern gemacht. „Und das ging auch alles nur im Team mit den Kolleginnen und Kollegen. Dafür danke ich und dafür bedanke ich mich auch herzlich bei allen“, sagte sie.
Kalender und Diensthandy wird sie jetzt beiseite legen und die 64-Jährige freut sich auf mehr Zeit für die Familie. Erste lange Rad-Touren mit Mann Bernd sind schon in der Planung, außerdem möchte sie Socken stricken lernen und Nudeln selbst machen. „Jemandem Zeit schenken – das ist das größte Geschenk, das ein Mensch dem anderen machen kann“, betonte Pfarrer Michael May, Leiter des Bereiches Diakonik-Ethik-Seelsorge bei der Stiftung kreuznacher diakonie. Er blickte zurück auf den Weg zur Diakonen-Ausbildung, der 2011 mit dem Basiskurs Diakonie begann. „Damals sagte der Theologische Vorstand, Pfarrer Dietrich Humrich schon zu mir: Sie werden mal Diakonin“, erinnert sie sich. 2013 bis 2015 war dann die Ausbildung, seitdem ist die Diakonin als Amtsträgerin der Evangelischen Kirche Brückenbauerin zwischen Kirche, Diakonie und Gemeinwesen. Die beiden Jahre waren eine „Frauenpowerzeit“, so Michael May, zusammen mit fünf Mitschülerinnen wurde sie 2015 eingesegnet. „Als Schülerin habe ich dich als jemanden erlebt, der neugierig war. Du hast die Ausbildungszeit als geschenkte Zeit genossen, dich mit Glaubensfragen auseinander zu setzen“, so Michael May. Zunächst mit Pfarrerin Annette Weber, dann mit Pfarrer Jörg Heidmann und auch mit dem katholischen Seelsorger Stefan End habe Sabine Lohrum ihre Gaben, Kräfte und Lebenszeit in den Diakonie Kliniken Neunkirchen, im Fliedner Krankenhaus und dem Fliedner Hospiz in Neunkirchen sowie im Paul Marien Hospiz in Saarbrücken eingebracht. Dort gab es unzählige Begegnungen mit den Menschen und die intensive Begleitung Sterbender und ihrer Familien sowie das gemeinsame Feiern von Gottesdiensten und Gedenkveranstaltungen. „Danke auch im Namen der Stiftung für die fachliche und inhaltliche Arbeit und für die Tätigkeit als Seelsorgerin.“
Im Namen des Krankenhaus-Direktoriums überreichte der Ärztliche Direktor Prof. Dr. med. Ingo Bernd Vernaleken einen großen Blumenstrauß zum Dank und betonte: „Unsere Arbeit ist so unterschiedlich nicht – auch Ärztinnen und Ärzte müssen sich immer Zeit nehmen und genau zuhören.“